Kernaussagen
- Das Google-Unternehmensprofil ist der wirksamste Baustein im Online Marketing für Gastronomie. Es kostet kein Mediabudget und entscheidet trotzdem über die meisten Erstbesuche.
- Laut BrightLocal gehen 44 Prozent der Klicks in der lokalen Suche an die drei Treffer über der Karte. Wer dort nicht steht, existiert für den Großteil der Suchenden nicht.
- Google bewertet drei Dinge: Relevanz, Entfernung, Bekanntheit. Nur zwei davon können Sie beeinflussen, dafür beide erheblich.
- Vollständigkeit und Fotos wirken innerhalb von Tagen. Bewertungen brauchen Monate. Deshalb in dieser Reihenfolge arbeiten, nicht parallel.
- Anzeigen vor einem fertigen Profil sind verbranntes Geld. Sie kaufen Klicks auf ein halb eingerichtetes Schaufenster.
1. Was Online Marketing in der Gastronomie entscheidet
Online Marketing für Gastronomie klingt nach Kampagnen, Funnels und Agenturhonoraren. In der Praxis entscheidet sich das meiste an einer sehr viel banaleren Stelle: in den drei Einträgen, die Google über der Karte anzeigt, wenn jemand „Restaurant in der Nähe" oder „italienisch Bornheim" tippt. Diese drei Plätze heißen Local Pack. Laut BrightLocal gehen 44 Prozent aller Klicks in der lokalen Suche dorthin, noch vor sämtliche organischen Website-Treffer.
Dazu kommt, wie schnell aus so einer Suche ein Besuch wird. BrightLocal misst, dass 76 Prozent der Menschen, die lokal suchen, innerhalb von 24 Stunden tatsächlich einen Betrieb aufsuchen. Das ist der Unterschied zwischen Gastronomie und den meisten anderen Branchen: Die Suche steht nicht am Anfang einer langen Entscheidung, sie steht kurz vor dem Hunger.
Google entscheidet die Reihenfolge über drei Faktoren: Relevanz, Entfernung und Bekanntheit. Die Entfernung können Sie nicht ändern, es sei denn, Sie ziehen um. Relevanz und Bekanntheit können Sie erheblich beeinflussen, und genau darum geht es in den sieben Hebeln unten. Google selbst beschreibt die drei Faktoren in der Dokumentation zum lokalen Ranking.
Die drei Rankingfaktoren, übersetzt
Relevanz heißt: Passt Ihr Betrieb zu dem, was gesucht wurde. Das ist der Faktor, den Sie am schnellsten verbessern, weil er fast vollständig aus Feldern besteht, die Sie selbst ausfüllen. Kategorie, Attribute, Speisekarte, Beschreibung. Wer „vegan" nirgends stehen hat, taucht bei „vegan essen gehen" nicht auf, auch wenn die halbe Karte vegan ist.
Entfernung heißt: Wie weit ist Ihr Betrieb vom Suchenden oder vom gesuchten Ort entfernt. Daran können Sie nichts ändern. Sie können nur aufhören, dagegen anzukämpfen. Ein Lokal im Norden der Stadt gewinnt die Suche im Süden nicht, egal wie gut das Profil ist. Deshalb ist der realistische Anspruch nicht „Top 3 in Hamburg", sondern „Top 3 in Eppendorf".
Bekanntheit heißt: Wie oft und wie glaubwürdig taucht Ihr Betrieb sonst im Netz auf. Bewertungen sind hier der größte Posten, dazu kommen Erwähnungen auf anderen Seiten, Verzeichniseinträge und Presse. Das ist der langsamste Faktor und der einzige, den Ihre Konkurrenz nicht über Nacht kopieren kann.
Praktisch bedeutet das: Hebel 1, 2, 5 und 7 zahlen auf Relevanz ein und wirken schnell. Hebel 3, 4 und 6 zahlen auf Bekanntheit ein und wirken langsam, dafür dauerhaft.
Ein Wort zur Reihenfolge, denn die ist der eigentliche Inhalt dieses Beitrags. Die sieben Hebel stehen nicht nebeneinander, sie stehen hintereinander. Hebel 1 und 2 wirken innerhalb von Tagen. Hebel 3 und 4 brauchen Monate. Wer bei Hebel 5 anfängt, weil das am meisten nach Marketing aussieht, wartet lange auf Wirkung. Wie sich das zu bezahlter Reichweite verhält, steht ausführlicher im Beitrag zu Werbung für Gastronomie.
2. Hebel 1: Kategorie und Profil vollständig ausfüllen
Der Hebel mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Ein Nachmittag Arbeit, danach nur noch Pflege.
In den Erstgesprächen sehen wir eine Sache immer wieder: Als Hauptkategorie steht schlicht „Restaurant". Das ist nicht falsch, aber es ist die unschärfste Antwort, die Sie Google geben können. Wer italienisch kocht, gehört in „Italienisches Restaurant". Wer einen Mittagstisch fährt und abends schließt, ist womöglich eher „Mittagsrestaurant". Die Hauptkategorie ist der stärkste einzelne Relevanzhinweis im ganzen Profil, und sie steht bei den meisten Betrieben auf Werkseinstellung.
Nebenkategorien dürfen Sie großzügig setzen, solange sie stimmen: Bar, Caterer, Frühstücksrestaurant, Biergarten. Was nicht stimmt, fliegt raus. Google gleicht Kategorien mit dem ab, was Gäste in Bewertungen und Fotos tatsächlich zeigen.
Die Checkliste für einen Nachmittag:
- Hauptkategorie so spezifisch wie ehrlich möglich, danach zwei bis fünf Nebenkategorien.
- Öffnungszeiten inklusive Feiertagen und Ruhetagen. Falsche Zeiten sind der häufigste Grund für eine Ein-Sterne-Bewertung ohne Besuch.
- Speisekarte als Text oder Link hinterlegen, nicht als PDF-Scan. Google liest den Text aus.
- Attribute setzen: Außenbereich, barrierefrei, Hunde erlaubt, vegetarisch, Reservierung möglich. Jedes Attribut ist ein zusätzlicher Filter, über den Sie gefunden werden.
- Beschreibung mit 750 Zeichen füllen, in ganzen Sätzen, mit dem Stadtteil im Text.
- Fragen und Antworten selbst befüllen. Sie dürfen dort eigene Fragen stellen und beantworten, etwa zu Parkplätzen oder Gruppengrößen.
Die Mechanik dahinter ist die gleiche wie bei Bäckereien, dort haben wir sie im Detail beschrieben: Werbung für Bäckerei. Wer lieber direkt an der Quelle liest, findet die Feldübersicht in der Google-Anleitung zur Profilpflege.
3. Hebel 2: Fotos, die Google und Gäste überzeugen
Fotos sind im Google-Profil kein Dekor, sie sind Inhalt. Profile mit Bildern werden nach Googles eigenen Benchmark-Daten rund 35 Prozent häufiger angeklickt als Profile ohne. Und anders als bei Instagram entscheidet hier nicht der Feed-Look, sondern die Abdeckung: Google will von jedem Bereich etwas sehen.
Was ins Profil gehört, sortiert nach Wirkung:
- Außenansicht bei Tageslicht. Damit Gäste den Eingang wiedererkennen, wenn sie davorstehen.
- Innenraum, zwei bis drei Perspektiven, mit Menschen darin. Leere Räume wirken geschlossen.
- Die fünf bis acht Gerichte, die Ihren Umsatz tragen. Einzeln, nicht als Collage.
- Getränke, besonders wenn Sie eine eigene Handschrift bei Cocktails oder Kaffee haben.
- Team bei der Arbeit. Das eine Bildmotiv, das Vertrauen schneller aufbaut als jeder Text.
Ein Hinweis, der Geld spart: Für das Google-Profil braucht es keine Hochglanzproduktion. Tageslicht von der Seite, ein Smartphone ab Baujahr 2022 und eine ruhige Hand reichen für die Innen- und Außenaufnahmen völlig aus. Bei den Gerichten sieht das anders aus, weil die gegen die Bilder Ihrer Konkurrenz antreten. Was da den Unterschied macht, steht im Beitrag Food Fotograf.
Wichtiger als die Menge ist die Frequenz. Zehn Bilder auf einen Schlag hochzuladen und dann zwei Jahre nichts wirkt schwächer als zwei Bilder pro Monat. Aktualität ist im Profil ein eigener Faktor, und sie ist der Teil, den fast alle nach vier Wochen einschlafen lassen.
4. Hebel 3: Bewertungen systematisch einsammeln
Bewertungen sind der langsamste der sieben Hebel und der mit der größten Hebelwirkung. Laut BrightLocal lesen 88 Prozent der Verbraucher Bewertungen, bevor sie sich für einen lokalen Betrieb entscheiden. Für Google sind sie zugleich der wichtigste Baustein der Bekanntheit, also des einzigen Rankingfaktors, der sich mit Fleiß statt mit Umzug verbessern lässt.
Der Unterschied zwischen Betrieben mit vielen und mit wenigen Bewertungen ist selten die Qualität des Essens. Es ist die Frage, ob jemand fragt. Wer wartet, bekommt vor allem Bewertungen von Gästen mit einem starken Gefühl, und starke Gefühle sind überdurchschnittlich oft negativ.
Was in der Praxis funktioniert:
- Der Satz am Tisch beim Abräumen: „Wenn es Ihnen geschmeckt hat, freuen wir uns über eine Bewertung bei Google." Mehr nicht, kein Nachfassen.
- Eine kleine Karte mit QR-Code, die mit der Rechnung kommt. Der QR-Code führt direkt auf das Bewertungsformular, nicht auf die Startseite des Profils.
- Ein Aufsteller an der Theke für Betriebe ohne Tischservice.
- Die Bitte im Nachgang per WhatsApp Business, aber nur bei Gästen, die ohnehin mit Ihnen schreiben.
Was nicht funktioniert und Ihnen zusätzlich Ärger einträgt: Rabatte gegen Bewertungen, Bewertungen kaufen, Personal Bewertungen schreiben lassen. Google erkennt Muster inzwischen zuverlässig, und im schlimmsten Fall verschwinden nicht nur die gekauften Bewertungen, sondern auch die echten. Details zur Erhebung stehen in der Local Consumer Review Survey von BrightLocal.
5. Hebel 4: Auf jede Rezension antworten
Antworten sind der unterschätzteste Teil des ganzen Profils. Sie kosten zehn Minuten pro Woche und wirken auf zwei Ebenen gleichzeitig: Google wertet Aktivität, und Mitleser bilden sich ihr Urteil weniger an der Bewertung als an Ihrer Reaktion darauf.
Bei positiven Bewertungen reicht ein Satz, der nicht nach Textbaustein klingt. Wer zehnmal hintereinander „Vielen Dank für Ihr Feedback" schreibt, hat nichts gewonnen. Ein Halbsatz zum konkreten Gericht zeigt, dass ein Mensch gelesen hat.
Bei negativen Bewertungen gilt eine einfache Reihenfolge: bedanken, den Punkt benennen, sachlich einordnen, konkrete Lösung anbieten, Gespräch offline verlagern. Nicht verteidigen, nicht widersprechen, nicht ironisch werden. Eine ruhige Antwort auf eine wütende Ein-Sterne-Rezension überzeugt Mitleser stärker als zehn Fünf-Sterne ohne Reaktion. Das ist keine Freundlichkeitsübung, das ist Verkaufsfläche.
Bei offensichtlich falschen Bewertungen, etwa von Menschen, die nie da waren, können Sie einen Verstoß melden. Rechnen Sie mit einer niedrigen Erfolgsquote und antworten Sie trotzdem sachlich, solange die Bewertung steht. Der Löschantrag ist nicht Ihre Antwort, er ist Ihre Zweitstrategie.
6. Hebel 5: Beiträge und Speisekarte aktuell halten
Google-Beiträge sind kleine Posts direkt im Profil, sichtbar in Suche und Maps. Sie laufen je nach Typ eine Woche oder bis zum Enddatum eines Angebots. Betriebe mit aktuellen Beiträgen tauchen nach Auswertungen von SQ Magazine 2,8-mal häufiger im Local Pack auf als Profile, die stillstehen.
Was sich zu posten lohnt:
- Der Mittagstisch der Woche, montags, mit einem Bild und drei Zeilen.
- Saisonale Karten: Spargel, Wild, Grünkohl, Sommerkarte. Jeweils mit Zeitraum.
- Events mit Datum: Weinverkostung, Livemusik, Public Viewing, Themenabende.
- Geänderte Öffnungszeiten an Feiertagen, als eigener Beitrag zusätzlich zum Eintrag im Kalender.
- Gutscheine, besonders von Oktober bis Dezember.
Einmal pro Woche reicht. Wer keine Zeit für wöchentliche Beiträge hat, plant sie einmal im Monat für vier Wochen vor und terminiert sie. Das ist derselbe Rhythmus, den wir im 30-Tage-Plan für Restaurant-Marketing beschrieben haben, nur auf einen Kanal verengt.
Zur Speisekarte im Profil ein oft übersehener Punkt: Pflegen Sie sie als strukturierte Gerichte mit Preisen, nicht als hochgeladenes PDF. Nur die strukturierte Variante liest Google aus, und nur die taucht auf, wenn jemand nach einem konkreten Gericht sucht.
7. Hebel 6: Einheitliche Daten über alle Verzeichnisse
Google prüft, ob Ihr Betrieb an anderen Stellen im Netz genauso heißt, genauso liegt und genauso erreichbar ist. Name, Adresse, Telefonnummer, im Fachjargon NAP. Je einheitlicher diese drei Angaben über alle Plattformen hinweg sind, desto glaubwürdiger ist der Eintrag.
Das klingt nach Kleinkram und ist einer der häufigsten stillen Fehler. Ein Betrieb heißt bei Google „Trattoria Da Luigi", auf Facebook „Da Luigi", bei Lieferando „Trattoria da Luigi Restaurant" und auf der eigenen Website „Da Luigi | Italienische Küche". Für Menschen dasselbe Lokal, für Google vier unterschiedlich starke Signale.
Wo Sie nachziehen sollten, in dieser Reihenfolge:
- Eigene Website, Impressum und Kontaktseite als Referenz. Diese Schreibweise ist ab jetzt die richtige.
- Apple Maps und Bing Places, beide kostenlos und in wenigen Minuten angelegt.
- Facebook- und Instagram-Profil, inklusive Adressfeld.
- Reservierungs- und Lieferplattformen: OpenTable, TheFork, Quandoo, Lieferando, Wolt.
- Branchenverzeichnisse: Das Örtliche, Gelbe Seiten, Yelp, TripAdvisor.
Ein Nachmittag Aufräumarbeit, danach einmal im Jahr prüfen. Besonders wichtig nach einem Umzug, einer Übernahme oder einer neuen Telefonnummer, weil dann alte Einträge weiterleben und sich gegenseitig widersprechen.
8. Hebel 7: Reservierung und Bestellung direkt verknüpfen
Der letzte Hebel ist der kürzeste Weg vom Fund zum Umsatz. Sichtbarkeit nützt wenig, wenn zwischen dem Treffer und dem reservierten Tisch noch drei Klicks und ein Telefonanruf liegen.
Im Profil lassen sich Reservierungs-, Bestell- und Terminlinks direkt hinterlegen. Google zeigt sie dann als Schaltfläche neben Route und Anruf. Wer mit OpenTable, TheFork oder Quandoo arbeitet, bekommt die Verknüpfung meist automatisch, sollte sie aber prüfen. Häufiger Fehler: Der Link zeigt auf die Startseite statt auf die Reservierungsmaske.
Für Betriebe ohne Reservierungssystem ist die Telefonnummer die Schaltfläche, die zählt. Prüfen Sie einmal selbst vom Handy, was passiert, wenn jemand auf „Anrufen" tippt. Landet der Anruf im Service, der gerade den Abend fährt, ist das keine Buchungsstrecke, sondern eine Störung. Ein zweites Gerät oder eine Weiterleitung auf eine Mailbox mit Rückrufversprechen lösen das für unter 20 Euro im Monat.
Wer alle sieben Hebel gebaut hat und weitergehen will, findet die passenden Bausteine unter Leistungen.
9. Die sieben Hebel im Überblick
Wer nicht alles auf einmal machen will, arbeitet die Tabelle von oben nach unten ab. Der Aufwand ist einmalig gerechnet, die Pflege steht daneben. „Zeit bis Wirkung" meint den Zeitraum, nach dem sich in den Profil-Auswertungen etwas bewegt.
| Hebel | Aufwand einmalig | Pflege | Zeit bis Wirkung |
|---|---|---|---|
| 1 · Kategorie und Profil | 3 bis 4 Stunden | 2x pro Jahr | 3 bis 14 Tage |
| 2 · Fotos | 2 Stunden | 2 Bilder pro Monat | 1 bis 3 Wochen |
| 3 · Bewertungen sammeln | 1 Stunde Einführung | jeden Service | 3 bis 9 Monate |
| 4 · Rezensionen beantworten | Rückstand aufholen | 10 Min. pro Woche | 2 bis 8 Wochen |
| 5 · Beiträge und Karte | 1 Stunde | 1 Beitrag pro Woche | 2 bis 6 Wochen |
| 6 · Verzeichnisse | 4 Stunden | 1x pro Jahr | 4 bis 12 Wochen |
| 7 · Reservierung verknüpfen | 30 Minuten | bei Systemwechsel | sofort |
Zusammengerechnet sind das rund zwölf Stunden einmalig und danach etwa 30 Minuten pro Woche. Das ist der gesamte Preis für den Kanal, der in der Gastronomie die meisten Erstbesuche auslöst.
10. Erfolg messen: Vier Zahlen aus dem Profil
Hier trennt sich Arbeit von Beschäftigung. Das Profil liefert eigene Auswertungen, und vier davon reichen für das erste Jahr vollständig aus. Notieren Sie sie einmal im Monat, am besten immer am selben Tag.
- Anrufe über das Profil. Die direkteste Zahl. Steigt sie, funktioniert Ihre Sichtbarkeit zu den Zeiten, in denen Menschen spontan entscheiden.
- Routenanfragen. Der beste Näherungswert für tatsächliche Besuche, weil kaum jemand eine Route plant, ohne sie zu fahren.
- Website-Klicks. Interessant im Verhältnis zu den beiden oberen. Viele Klicks und wenige Anrufe heißen meist: Die Karte im Profil fehlt, und Gäste suchen sie auf der Website.
- Suchbegriffe, über die Sie gefunden werden. Die unterschätzteste Auswertung. Stehen dort nur Ihr eigener Name, sind Sie noch nicht sichtbar, sondern nur auffindbar. Erst Begriffe wie „italienisch in der Nähe" zeigen, dass Sie neue Gäste gewinnen.
Eine ehrliche Erwartung dazu. Bei einem gepflegten Profil sehen wir Anrufe und Routenanfragen typischerweise um 30 bis 50 Prozent steigen, verteilt über mehrere Monate. Eine Auswertung von Röser Medienhaus kommt für sechs Monate auf 18 Prozent mehr Sichtbarkeit, 11 Prozent mehr Website-Besuche, 6 Prozent mehr Anrufe und 29 Prozent mehr Detailansichten. Das sind keine Zahlen, mit denen man auf einer Messe angibt. Es sind Zahlen, die jeden Monat wiederkommen, ohne dass ein Budget mitläuft.
Und hier die eine unbequeme Meinung, die dieser Beitrag hat: Die meisten Gastronomiebetriebe schalten Anzeigen, bevor ihr Profil fertig ist. Das ist die falsche Reihenfolge. 44 Prozent der lokalen Klicks liegen im Local Pack und kosten null Euro Mediabudget. Wer stattdessen zuerst bezahlte Reichweite auf ein halb ausgefülltes Profil lenkt, kauft Klicks auf ein Schaufenster, in dem noch die Umzugskartons stehen.
11. Der 10-Minuten-Audit für heute
Bevor Sie irgendetwas ändern, schauen Sie sich Ihr Profil einmal so an, wie ein Gast es sieht. Nehmen Sie ein Smartphone, das nicht in Ihrem Google-Konto eingeloggt ist, und arbeiten Sie diese acht Punkte ab. Notieren Sie jeden Punkt, der nicht passt.
- 1Suchen Sie nach Ihrer Küche plus Stadtteil, nicht nach Ihrem Namen. Stehen Sie unter den ersten drei Treffern über der Karte? Wenn nein: Wer steht dort, und wie viele Bewertungen haben die?
- 2Öffnen Sie Ihr Profil. Welche Hauptkategorie steht dort? Steht dort „Restaurant", haben Sie den ersten Punkt für die To-do-Liste.
- 3Wie alt ist das jüngste Foto? Älter als vier Wochen zählt als eingeschlafen.
- 4Tippen Sie auf die Speisekarte. Kommt strukturierter Text oder ein PDF, das erst laden muss?
- 5Scrollen Sie zu den Bewertungen. Wie viele der letzten zehn sind unbeantwortet?
- 6Tippen Sie auf „Anrufen". Klingelt es an einer Stelle, an der jemand rangeht?
- 7Tippen Sie auf den Reservierungs- oder Website-Button. Landen Sie auf der Reservierungsmaske oder auf einer Startseite, auf der Sie erst suchen müssen?
- 8Googeln Sie Ihren Betriebsnamen in Anführungszeichen. Schreiben ihn alle Plattformen gleich?
Erfahrungsgemäß bleiben nach diesen zehn Minuten drei bis fünf Punkte übrig. Die sind Ihre Reihenfolge für die nächsten vier Wochen, unabhängig davon, was in diesem Beitrag als Hebel 1 steht.
12. Wann Google Business Ihr Problem nicht löst
Es gibt Situationen, in denen Sie sich die Arbeit an den sieben Hebeln sparen können, weil das eigentliche Problem woanders liegt. Vier davon sehen wir regelmäßig.
- Ihr Bewertungsschnitt liegt unter 3,8. Dann bringt mehr Sichtbarkeit mehr Menschen dazu, den Schnitt zu sehen. Erst die Ursachen abstellen, dann sichtbarer werden.
- Sie sind ohnehin ausgebucht. Wenn Freitag und Samstag voll sind und Sie unter der Woche zumachen könnten, ist Ihr Problem die Auslastungsverteilung, nicht die Reichweite. Das löst man mit Angeboten für ruhige Tage, nicht mit Rankings.
- Sie leben von Laufkundschaft an einem Bahnhof oder in einer Fußgängerzone. Dann entscheidet Ihr Schaufenster mehr als Ihr Profil. Pflegen Sie es trotzdem, aber erwarten Sie keinen Sprung.
- Sie planen in sechs Monaten zu schließen oder zu übergeben. Bewertungen brauchen länger als das. Beschränken Sie sich auf Hebel 1 und 2.
In allen anderen Fällen gilt der schlichte Satz, mit dem dieser Beitrag angefangen hat: Ein vollständiges, gepflegtes Profil ist der einzige Marketingkanal in der Gastronomie, der dauerhaft wirkt und nichts kostet außer einem Nachmittag plus zehn Minuten pro Woche. Wenn Sie nach diesem Beitrag genau eine Sache umsetzen, dann Hebel 1.
13. Häufige Fragen
Was kostet ein Google-Unternehmensprofil für ein Restaurant?
Nichts. Das Profil ist kostenlos, inklusive Fotos, Beiträgen, Speisekarte und Bewertungsverwaltung. Kosten entstehen nur, wenn Sie zusätzlich Anzeigen schalten. Genau deshalb ist es der erste Hebel im Online Marketing für Gastronomie und nicht der letzte: Er kostet Zeit, kein Budget.
Wie melde ich mein Restaurant bei Google an?
Über google.com/business mit einem Google-Konto den Betrieb anlegen oder einen bestehenden Eintrag beanspruchen. Google verifiziert die Adresse per Postkarte, Telefon oder Video. Die Postkarte braucht in der Regel fünf bis vierzehn Tage. Vor der Verifizierung erscheint das Profil nicht vollständig in der lokalen Suche, deshalb ist das der erste Schritt, nicht der letzte.
Wie lange dauert es, bis mein Restaurant in den lokalen Top 3 auftaucht?
Bei einem frisch verifizierten Profil in einer normalen Stadtlage sehen die meisten Betriebe nach acht bis zwölf Wochen Bewegung. In dicht besetzten Innenstadtlagen dauert es länger, weil dort Betriebe mit hunderten Bewertungen stehen. Was sofort wirkt, sind Vollständigkeit und Fotos. Was Monate braucht, sind Bewertungen.
Wie viele Bewertungen brauche ich für die lokalen Top 3?
Es gibt keine feste Schwelle. Entscheidend ist der Vergleich mit den drei Betrieben, die aktuell über Ihnen stehen. Schauen Sie nach, wie viele Bewertungen die haben, und nehmen Sie das als Zielmarke. In einem Stadtteil reichen oft 40 bis 80 Bewertungen, in einer Großstadt-Innenstadt sind es eher 300 aufwärts.
Darf ich Gäste um eine Google-Bewertung bitten?
Ja. Verboten ist nur, Bewertungen zu kaufen, zu erfinden oder gegen einen Rabatt zu tauschen. Fragen dürfen Sie immer, und Sie sollten es tun. Der Unterschied zwischen einem Betrieb, der fragt, und einem, der wartet, sind in der Praxis Faktor zwei bis drei bei der monatlichen Bewertungszahl.
Brauche ich noch eine Website, wenn ich ein Google-Unternehmensprofil habe?
Für ein kleines Café mit Standardkarte kommen Sie eine ganze Weile ohne aus. Sobald Sie reservieren lassen, Events verkaufen, Gutscheine anbieten oder eine wechselnde Karte haben, brauchen Sie eine eigene Seite. Das Profil ist Ihr Schaufenster, die Website ist der Laden dahinter.